TUI: Der Verhandlungsverlauf aus unserer Sicht und die detaillierten Ergebnisse

06.03.2021 Eilmeldung

Liebe Kolleginnen & Kollegen,

Wir möchten Euch nun wie versprochen über die Ergebnisse der Verhandlungen informieren. Vorab möchten wir Euch aber gerne noch ausführlich schildern wie wir die letzten Monate und insbesondere die letzten Tage erlebt haben, damit Ihr einen transparenten Eindruck habt, wie es zu dem Ergebnis gekommen ist. Die detaillierten Ergebnisse für die Kabine findet ihr ab Seite 3 dieses Dokuments.

Am Freitag hat sich der TUI fly Aufsichtsrat nach vorhergehender Einigung mit allen Sozialpartnern auf die Erhöhung von 17 auf 22 Flugzeuge verständigt. Um dies zu erreichen, mussten auch wir in der Kabine unter einem enormen Zeitdruck über harte Zugeständnisse in den Tarifverträgen „verhandeln“.

Als faire und soziale Verhandlungen können wir diese aber leider nicht bezeichnen. Nach dem Aufsichtsratsbeschluss der TUI fly am 18. Juni 2020 hat der Arbeitgeber uns eine offizielle Verhandlungsaufforderung zu Themen des MTV und TV Teilzeit geschickt. Wir haben uns im August und September auch zweimal getroffen, aber ernsthafte und engagierte Verhandlungen waren das nicht. Wir haben klargemacht, dass bei dem 17 A/C-Szenario mit Massenentlassungen Absenkungen an unseren Tarifverträgen für uns nicht in Frage kämen. Wir haben dem Arbeitgeber angeboten, mit uns über Alternativszenarien mit dem Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, zu reden und aufgezeigt, dass wir dann sicher auch zu Zugeständnissen bereit wären – für ein Szenario mit mehr Fliegern und vor allem mehr Personal fehlte dem Arbeitgeber damals allerdings „jegliche Phantasie“ (O-Ton). Wir haben ihm auch gesagt, dass wir mit ihm bei seinem angestrebten Szenario über Maßnahmen sprechen wollen, die den Personalabbau sozialverträglich und ohne Kündigungen gestalten könnten. Daran hatte der Arbeitgeber keinerlei Interesse. Der Arbeitgeber hat sich vorwiegend auf Gespräche mit der VC konzentriert.

In der Zwischenzeit hatten wir lediglich zwei Termine. Zunächst im November, als wir über den Abbruch der Gespräche mit der TK Cockpit informiert wurden und dann nochmal im Januar, wo er uns erklären wollte, dass ihm jedes sozialverträgliche Instrument zu teuer wäre. Erst vor etwa zwei Wochen wurden wir um Termine für Gespräche gebeten, die dann vor einer Woche mit der ersten groben Vorstellung der Themen und der Möglichkeit auf 22 A/C zu kommen, begonnen wurden. Am letzten Wochenende haben wir die ersten Entwürfe für neue Tarifverträge vom Arbeitgeber erhalten. Am Montag haben wir erste Positionen in Verhandlungen austauschen können. Von Mittwochvormittag bis Donnerstagnacht kam es dann zum inszenierten „Showdown“ im Maritim HAJ, wo parallel die Einigungsstellen zum Interessenausgleich und Sozialplan der Gesamtvertretung Bord und der PV Kabine tagten.

Somit wurde seitens des Arbeitgebers maximaler zeitlicher Druck aufgebaut, mit dem Ziel, die Verhandlungen mit allen Arbeitnehmergremien vor der Aufsichtsratssitzung der TUI fly abzuschließen. Sollte mit einem einzelnen Gremium (TK Cockpit, TK Kabine & Boden, PV Kabine, PV Cockpit und GVB) kein Abschluss zustande kommen, hätte der Arbeitgeber alle Verhandlungen für gescheitert erklärt. Dadurch hätten 676 Kolleg*innen in der Kabine, am Boden und im Cockpit ihren Arbeitsplatz verloren. In diesen Tag- und Nachtverhandlungen wurde uns immer wieder deutlich gemacht, dass im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen die 17 Flugzeuge gesetzt seien und somit auch deutlich mehr Personal in allen Berufsgruppen entlassen werden müsste. Außerdem wurden die Zukunftsaussichten der gesamten TUI fly innerhalb des TUI Konzerns mit nur noch 17 Flugzeugen deutlich in Frage gestellt. Sie sprachen auf einmal davon, dass 17 Flieger eine „Abwärtsspirale“(O-Ton) in Gang setzen würden – obwohl es vorher immer noch als das alternativlos beste Modell präsentiert wurde.

Wir haben in der Vergangenheit oft mit dem Arbeitgeber verhandelt. Auch wenn es manchmal laut und ungehalten war, die Verhandlungen waren doch meistens konstruktiv und zielgerichtet. Man konnte sich danach immer noch in die Augen schauen. Die Sozialpartnerschaft in unserem Unternehmen ist in den letzten 2-3 Jahren schon erkennbar schlechter geworden. Diese Partnerschaft wurde in den letzten Tagen arbeitgeberseitig aufgekündigt. Mit dem am Ende erzielten Abschluss sind wir natürlich alles andere als zufrieden. Er stellt jedoch in unseren Augen die bessere von zwei schlechten Alternativen dar. Darum haben wir dem Abschluss mehrheitlich zugestimmt. 830 Kolleg*innen können somit tarifvertraglich zugesichert an Bord bleiben, vielen von uns in der Kabine bleibt somit eine Kündigung erspart. In beiden Szenarien 17 vs. 22 A/C wurde ein Erhalt der Stationen BRE, BER, NUE, FMO und HAM vom Arbeitgeber kategorisch ausgeschlossen. CGN soll zumindest für die EW-Operation noch 2 Jahre bestehen bleiben.

Im Rahmen der Tarifverhandlungen wurde verbindlich zugesichert, dass u.a. weitere Freiwilligenprogramme mit der PV abgeschlossen werden müssen und höhere Abfindungen als im 17er-Szenario gezahlt werden müssen. Dieser Abschluss bringt wie schon erwähnt Veränderungen in unseren Tarifen mit, die wir nun erläutern möchten.

Außerdem werden wir schnellstmöglich über Teams für Fragen und Austausch zur Verfügung stehen (die Termine werden noch bekannt gegeben).

Alle weiteren Details findest Du hier

Solidarische Grüße,
Eure TK Kabine
Niklas Schiwon (Sprecher, NUE), Christoph Aigner (STR), Jens Borgmann (HAM), Kathrin Höppner (HAJ), Sandra Kennedy (HAJ), Christian Kessebohm (STR), Andreas Kränzke (TXL), Stephan Krause (TXL), Jasmin Sabania (HAM), Tanja Schmid (NUE), Sabine Walter (HAM) und ver.di-Tarifsekretär Marian Drews.

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